Mein Platz in dieser Welt
- lealandmann
- 31. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen

Auf der Suche
Wie ich bereits in einigen meiner Blogartikel beschrieben habe, empfinde ich mich als Suchende, bin auf der Suche nach meinem Platz in dieser Welt. Irgendwie glaube ich, dass jedem von uns bestimmt ist, einen vorbestimmten Platz in unserer Welt innezuhaben (dabei empfinde ich diese Vorherbestimmung weder als religiös, noch als Schicksal) und sobald wir diesen gefunden haben, dann ergibt die eigene Existenz plötzlich einen Sinn. Die Suche nach dem Platz, den man in der Welt einnimmt oder einnehmen kann, ist also irgendwie auch mit der Sinnsuche verbunden. Und doch bedeutet der Platz in dieser Welt für mich mehr, als dass mein Leben einen Sinn für mich (und andere) ergibt.
Zugehörigkeit
Ich habe bereits über Zugehörigkeit geschrieben und gerade kommt es mir so vor, als würde ich mich wiederholen, aber sei es drum. Sobald ich mich unter Menschen nicht mehr allein und einsam, sondern zugehörig fühle, umgibt mich ein warmes Gefühl und ich merke, dass ich ankommen darf. Andere Menschen sind so immens wichtig für mich und meinen Platz in dieser Welt. Ohne Menschen um mich herum, die mich lieben, mich beschützen und so akzeptieren wie ich bin, die für mich da sind und mit denen ich ganz viel Spaß haben kann, könnte ich gar keinen Platz haben. Und vielleicht geht es auch genau darum, dass man unter Menschen diesen Platz findet, dass man dieses fehlende Puzzlestück in einer Gemeinschaft ist oder sich einfach einen eigenen Platz unter anderen schafft.

Mehrere Plätze
Gerade in letzter Zeit empfinde ich dieses Gefühl des Angekommen-Seins unter anderen Menschen immer häufiger. Es gibt verschiedene Plätze, an denen ich mich aufgehoben fühle.
Während meines diesjährigen Ferienprojektes habe ich mich sehr wohl gefühlt. Die Menschen, mit welchen ich zusammenarbeiten durfte, sind für zwei Wochen meine kleine eingeschworene Gemeinschaft in welcher wir uns umeinander kümmern und miteinander leben und arbeiten. Jede und jeder ist Teil unserer Gemeinschaft und wenn man sich wirklich als Teil begreift und das in sich aufsaugt, dann fühlt man sich so viel mehr angekommen, als wenn man versucht einfach allein irgendwie durch diese zwei Wochen zu kommen. Sei es das gemeinsame Essen, Singen oder Musizieren; die Arbeit mit den Kindern, die nachmittäglichen Besprechungen oder die Sonnenuntergänge am Rhein. So verschieden wir auch sind, so sehr harmonieren wir als Ganzes und das fühlt sich wirklich nach einem Platz an, an dem ich verweilen könnte.
Daneben habe ich einige meiner alten Schulkameraden getroffen, welche ich seit einigen Jahren nur noch sporadisch sehe, oder von ihnen höre. Zusammen mit meiner derzeit besten Freundin, die leider auch viel zu viele Kilometer weit weg wohnt, saßen wir im Garten meiner Eltern zusammen, haben uns über Gott und die Welt unterhalten, unsere Erfahrungen und Träume ausgetauscht und einfach einen lauen Sommerabend genossen. Ich durfte Gastgeberin sein und den Abend nach meinen Vorstellungen gestalten, ohne irgendwie einen Gedanken daran zu verschwenden, ob ich jemandem gefallen muss, mit dem, was ich tue. Auch dieser Platz hat mich zum Verweilen eingeladen.
Meine dritte Begegnung solcher Art, war an einem Nachmittag beim Tanztee. Zwei meiner neuen Bekannten, die miteinander tanzen und die ich nun erst seit einigen Monaten kenne, waren auch dort und haben mich direkt in ihre Mitte genommen. Sie haben mich sozusagen adoptiert und ich durfte diesen Nachmittag ganz unbeschwert "ihr Kind sein". Auch wenn diese Assoziation sehr witzig klingt, trifft sie doch einen Kern: Ich musste mich an diesem Nachmittag um nichts Kümmern, musste mich nicht beweisen oder um Anerkennung, Aufmerksamkeit oder Freundschaft kämpfen, sondern ich durfte einfach zwischen den beiden existieren. So wie in der Kindheit, in welcher man so vollkommen unbeschwert durch den Alltag gehen kann, da man sich sicher, aufgehoben und geliebt fühlt (so sollte sich Kindheit jedenfalls meiner Meinung nach anfühlen). Einfach auch Mal Verantwortung Verantwortung sein lassen und von anderen Menschen durchgefüttert werden. Und im besten Fall, freuen sich diese auch noch unheimlich darüber.
Und mein letzter Platz dieser Art war auch verbunden mit Tanzen. In der Tanzschule ließ mich mein Tanzpartner zwar für den Workshop sitzen, allerdings fingen mich die Tanzlehrerin und ihr Assistent ganz liebevoll auf. Sie und ich redeten über unseren Urlaub und er tanzte dann die Stunde einfach mit mir und führte Konversation. Wie angekommen und akzeptiert ich mich in diesem Moment in diesem Kurs fühlte, lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Ich durfte einfach ich sein und wurde mit offenen Armen empfangen und eben nicht abgewiesen oder weggeschickt oder musste allein zurechtkommen. Im Verlauf des Abends war ich dann noch bei meinem üblichen Tanzabend und unsere Tanzlehrerin kam nach Feierabend auch dazu und wir unterhielten uns wieder wie Freundinnen. Auch hier scheine ich endlich angekommen zu sein und darf darauf vertrauen, dass Menschen da sind, die mich unterstützen und ich nicht alles allein tragen muss.

Zusammen versus Allein
Ich glaube durch diese Erfahrungen, die ich im letzten Monat gemacht habe, durfte ich lernen, dass ich nicht alles allein schaffen und machen muss. Es gibt Menschen, die für mich da sind und es gibt Menschen, bei denen ich ankommen darf. Auch wenn ich im letzten Jahr unheimlich viel auch alleine war und gemacht habe, muss das nicht so sein und bleiben. Klar, allein sein ist schön und ich bin sehr gerne meine eigene Gesellschaft, aber ich glaube meinen Platz in dieser Welt, finde ich unter anderen Menschen. All die Dinge, die ich allein machen kann, machen in Gesellschaft einfach oft mehr Spaß. Und ich durfte lernen: Wenn ich mich allein raustraue und Dinge unternehme, bleibe ich meistens nicht lange allein, sondern finde Menschen; vielleicht sogar Gleichgesinnte.
Vorherbestimmung
Ich empfinde diesen Platz, an welchen man gehört, irgendwie als vorherbestimmt. Es geht mir dabei nicht darum, dass manche Dinge so kommen müssen, wie sie kommen, oder das das Schicksal oder eine göttliche Instanz uns unser Leben auslegt und wir diesem bloß noch folgen müssen. Es ist vielmehr das Gefühl, dass man innerlich schon weiß, wo man hingehört, wo man sich wohlfühlt und an welchen Orten und unter welchen Menschen man tatsächlich aufblüht. Vermutlich hat das vielmehr mit den eigenen Erfahrungen, der Kindheit und den Dingen zu tun, die man im Leben so mitbekommen hat und immer noch mitbekommt. Was sich als sicher und was sich als unsicher anfühlt, ordnen wir anhand der eigenen Erfahrungen ein (und manchmal ist dieses Einordnung auch aus dem Gleichgewicht geraten). Also woher genau diese Bestimmung kommt, bleibt für mich ungeklärt, jedoch habe ich das Gefühl, in mir drinnen zu spüren, wenn ich angekommen bin und meinen Platz gefunden habe.

Doch keine Sinnsuche
Also, dieser Sinn, ist natürlich super toll und ich würde mir wünschen, endlich etwas zu finden, dass mich erfüllt und hinter dem ich stehen kann. Aber meinen Platz in dieser Welt, den finde ich vielleicht gar nicht dadurch, dass ich mir den ganzen Sommer den Kopf darüber zerbreche, wie ich mein Leben führen möchte und welchen Job ich ausüben will. Vielleicht ist mein Platz in dieser Welt vielmehr an der Seite anderer Menschen. Menschen, die ganz besonders sind und bei denen ich ankommen und mir meinen Platz aussuchen darf. Menschen, die mich aufnehmen, mir ein Nest bauen, mit mir lachen und mich unterstützen. Mein Platz in dieser Welt ist vielleicht irgendwo genau da, wo ich gerade schon bin, unter den Menschen, die ich kenne und noch kennenlernen darf. Daher geht es womöglich vielmehr darum, diese Plätze zu finden und sich dort wohnlich einzurichten. Denn vielleicht ist auch genau das der Sinn im Leben: Mit anderen Menschen zusammen sein.
Wo ist denn jetzt mein Platz in dieser Welt?
Vorgestern war ich wieder in der Stadt, in welcher ich studiert habe, an der Uni, die fünf Jahre lang mein zweites Zuhause in diesem Ort war und in dem Hörsaal, in welchem ich unzählige Stunden verbracht habe. Es war wie ein Aufatmen und gleichzeitig ergriff mich eine Wehmut. Der Ort ist derselbe geblieben, doch die Menschen, sind nicht mehr dieselben. Ich erinnere mich an all die wunderschönen Stunden, auch an schwere Zeiten, doch es fühlte sich in dem Moment nicht mehr genauso an wie früher. Und doch fühlte ich mich mit den Menschen, mit denen ich durch den Hörsaal schritt, sehr wohl; Menschen, die ich erst nach meinem Abschluss kennenlernen durfte und die für mich doch schon mehr als Bekannte sind. Sie nahmen mich auf in ihrer Wohnung und gaben mir ein wenig von der alten Magie des Ortes wieder, dadurch, dass sie mit diesem noch so verbunden sind.
Ich glaube somit, dass mein Platz in dieser Welt gar nichts mit dem Ort an dem ich lebe zu tun hat, oder mit dem Job den ich mache, oder mit den Dingen, die ich tue. Vielmehr hängt der Platz an den Menschen, die mich umgeben und die mir das Gefühl geben, angekommen zu sein. Mein Platz in dieser Welt ist bei den richtigen Menschen.
Bearbeitet: 26.08.2026




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