Zugehörigkeit
- lealandmann
- 9. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Dazugehören

Schon seit geraumer Zeit bin ich auf der Suche nah meinem Platz in dieser Welt. Irgendwie strebe ich danach, irgendwo dazuzugehören, meinen Platz zu finden; vielleicht auch einfach irgendwo anzukommen. Dabei finde ich es unglaublich schwierig die Balance zu halten zwischen meinem Wunsch nach Zugehörigkeit und meinem fortwehrenden Streben nach Selbstverwirklichung. Schließlich will ich mich durch die Zugehörigkeit nicht selbst verlieren. Manchmal frage ich mich, wo dieser tief verwurzelte Wunsch herkommt. Und meistens habe ich Angst davor, mich in der Anpassung an andere zu verlieren. Dabei will ich mich am Ende doch einfach bloß geborgen und zugehörig fühlen, ohne mich dafür verbiegen zu müssen.
Heimat
Meine Oma erzählte mir, dass sie als Heimatvertriebene mit dem Gefühl der Zugehörigkeit schon immer irgendwie ihre Probleme hatte. Sie beschäftigt sich in letzter Zeit besonders mit ihren Wurzeln, sucht nach lange vergessenen Verwandten und möchte sich irgendwo heimisch fühlen. Damals, als sie in Süddeutschland angekommen wäre, hätte sie sich vollständig entwurzelt gefühlt und hätte große Probleme damit gehabt, sich in diesem neuen Land zugehörig zu fühlen. Sie lernte sich anzupassen und die neue Heimat auch als solche zu sehen. Und heute fühlt sie sich auch in ihrem Ort und in ihrem Haus, nahe bei meiner Familie, irgendwie heimisch und angekommen. Trotzdem hat sie sich nie richtig zugehörig gefühlt in ihrer Nachbarschaft. Eine Community fehlt ihr. Wenn ich da an meine andere Oma denke, die in ihrem Dorf schon immer lebt und dort ihren gesamten Lebensmittelpunkt hat und sich nie darüber Gedanken machen musste, wo sie hingehört, verstehe ich besser, was es heißt solch eine Heimat nicht (mehr) zu haben.
Ich selbst fühle mich sehr verbunden mit dem Ort, den ich Heimat nenne, an dem meine Eltern leben, in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, wo auch meine Großeltern nie weit weg waren. Mein großes Glück ist es, dass meine ganze Familie in derselben Gegend wohnt und ich nie weit fahren muss, um sie alle zu sehen. Ja, zu meiner Familie fühle ich mich sehr zugehörig. Sie verkörpern meine Wurzeln, sind ein wichtiger Teil von mir und sie bilden mein Fundament, meine starke Basis, von der aus ich allen meinen Träumen folgen kann.

Partnerschaft
Meine Eltern haben nicht besonders viele Freunde. Sie haben einander und sind einander zugehörig. So habe ich das schon immer wahrgenommen. Ich finde es unglaublich schön, dass die beiden so zueinander gehören und ich glaube im inneren Wünsche ich mir solch eine Partnerschaft. Einen Partner/ Eine Partnerin, dem/der ich mich zugehörig fühlen kann. Denn ich glaube, dieses Gefühl der Zugehörigkeit ist einzigartig in seiner Existenz. Man ist ein eigenständiges Individuum, welches zu einem anderen eigenständigen Individuum dazugehört. Diese Zugehörigkeit ist vielleicht die deutlichste Form der Zuweisung und kann sogar vor dem Gesetz geltend gemacht werden. Außerdem ist diese Zugehörigkeit gewählt, anders als die Familie, in die man hineingeboren wird.
Community
Viele Menschen bilden Freundesgruppen mit Menschen, die ähnliche Werte, Ansichten oder Interessen teilen. Auch hier fühlen sich Menschen einander zugehörig, welche durch Gemeinsamkeiten verbunden sind. Sei es der Sportverein, die Gesangsgruppe oder die Gamingplattform. Auch ich suche mir diese Gruppen, in denen ich mich ein Stück weit zugehörig fühlen kann. Früher war das einfacher: eine Schulklasse, ein Sportverein, eine Theatergruppe, ein Orchester. Ich gehörte vielen einzelnen Gruppen an und wusste: Hier gehöre ich hin. Hier kennen und schätzen mich die Menschen und ich bin Teil dieses Gefüges. Ohne mich, würde vielleicht sogar etwas fehlen. Heute musste ich mir diese Gruppen wieder mühsam suchen und trotz allem hat es gedauert, bis ich wieder meine Communitys gefunden habe. Vielleicht lag das aber auch daran, dass ich mich nicht mehr nur damit zufrieden gegeben habe, einfach irgendwo dazuzugehören. nein, ich wollte mich mit den Menschen wirklich auf einer tieferen Ebene verbunden fühlen und nicht bloß mit irgendwelchen Menschen an einem Strang ziehen. Das habe ich langte genug getan.
Seine Community zu finden ist also schwieriger, als einfach irgendwo dazuzugehören. Dazugehören ist also vielleicht einfacher, als sich zugehörig zu fühlen. Wie viele Menschen gehören vielleicht irgendwo dazu und fühlen sich trotzdem nicht zugehörig? Doch dann gibt es wiederum übergeordnete Communitys, welchen man sich viel leichter verbunden fühlen kann, welche aber vielleicht auch oberflächlicher bleiben. Jedoch hat man durch diese Zugehörigkeiten vielleicht eine größere Chance, seine eigene kleine Bubble zu finden, sich mit den Menschen zu verbinden, welche derselben Community angehören.

Und sonst
In unserem Telefonat regte meine Oma sich über gewisse Zuschreibungen und Zugehörigkeiten auf. Manchmal kann man es sich ja auch leider nicht aussuchen, ob man in eine bestimmte Schublade gesteckt wird, oder einem eine Zugehörigkeit zugeschrieben wird. Ein Bekannter sagte vor Kurzem zu mir: "Fehlt nur noch, dass du dein eigenes Sauerteigbrot backst!" Tja danke, weißt du denn überhaupt, wie man Sauerteig macht?
So sehr man sich auch zugehörig fühlen möchte, vielleiht hilft es auch manchmal einfach man selbst zu sein und dann finden sich schon die Menschen, die zu einem gehören, ganz von allein. Denn wenn ich mich versuche anzupassen und dabei verstelle, dann bin ich am Ende vielleicht irgendwo zugehörig, wo ich es gar nicht sein möchte.
Auch meine Oma wünscht sich einen eigenen kleinen Kokon, genauso wie ich. Aber am Ende können wir diesen vermutlich auch nur selbst spinnen.






















































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