Netzwerke, Verbindungen und Co
- lealandmann
- 17. Aug.
- 7 Min. Lesezeit
Wie entstehen neue Verbindungen?
Seit einigen Tagen bin ich voller Tatendrang und möchte neue Netzwerke und Verbindungen aufbauen. Auf verschiedene Arten und Weisen versuche ich Kontakte zu knüpfen, Menschen kennenzulernen und mir vor Ort in meiner jetzigen Heimatstadt ein lokales Netzwerk aufzubauen, um mich nicht mehr so allein zu fühlen, und um im besten Fall mit gleichgesinnten Menschen in Verbindung zu kommen. Einige meiner Versuche und Ansätze möchte ich mit euch teilen.

Meine verschiedenen Methoden des Netzaufbaus
Flugzettel
Meine erste Idee, um Menschen in meiner direkten Nachbarschaft kennenzulernen, waren Zettel, die ich aushängen kann. Ich habe einen netten Text geschrieben, ein Bild drunter gepackt und meine Mailadresse draufgeschrieben und jetzt muss ich abwarten, ob sich jemand bei mir meldet. Besonders schön wäre es, sich Dinge zu teilen oder Menschen für gemeinsame Aktivitäten zu finden. Einziger Nachteil: Mein Tesafilm hat nicht allzu gut gehalten und ich weiß nicht, ob die Zettel überhaupt gehalten haben, oder alle abgegangen sind. Auf jeden Fall werde ich euch hierüber auf dem Laufenden halten.
AWO
In meinem Stadtteil gibt es ein Quartier der AWO. Hier habe ich schon immer wieder Aushänge gesehen und mich nun einmal per Mail erkundigt, ob es auch ein Netzwerk von jungen Erwachsenen gibt, oder Veranstaltungen für Berufstätige. Das Quartier hier bei uns gibt es wohl erst seit 15 Monaten, erzählt mir die nette Dame am Telefon, welche gleich begeistert darüber war, dass ich Interesse an Vernetzung habe. Sie meint, dass meine Zielgruppe derzeit eben genau noch fehlt und noch nicht vertreten ist. Bisher haben Sie Angebote für Senioren, Eltern mit Kindern und generell eher die ältere Generation engagiert sich bei Ihnen. Ich werde direkt gefragt, ob ich mir einmal die Räumlichkeiten anschauen will und das ich mir gerne überlegen soll, was ich für ein Angebot machen würde, also wöchentlichen Stammtisch zum gemütlichen Beisammensitzen, monatliches Kochen oder etwas Ähnliches. Das ich innerhalb von einem Tag direkt solch eine Erfahrung gemacht habe, nur durch fragen und aktiv zu werden, hat mich überrascht und begeistert zugleich. Hätte ich das doch schon einmal ein paar Monate früher gewusst.
Der Music Temple Kassel
Bevor ich zum Utopiecamp (mehr dazu in meinem vorherigen Beitrag) aufgebrochen bin, war ich bei einer Veranstaltung des Music Temple Kassel. Auf Instagram wurde mir diese Community angezeigt und ich dachte mir: Mach ich einfach Mal. So bin ich an einem Freitagabend im August in einem Garten in Helsa gelandet bei Chris Tala und Ayam. Diese beiden bilden ein Musikduo, sind ein Paar und vor kurzem von Berlin hier nach Helsa gezogen, in das Haus in dem Chris aufgewachsen ist. In ihrem Garten haben sie angefangen über diesen Sommer Garden Dance Gatherings zu veranstalten. Das hat meine Seele sofort angesprochen und als ich dann in besagtem Garten in Helsa stand, habe ich mich direkt wohl und aufgenommen gefühlt. Wir waren eine kleine Runde an Menschen und es war eine ganz tolle Atmosphäre. Danach wurde ich direkt auf die nächsten Veranstaltungen eingeladen, habe Kontakte mit den Menschen geknüpft und wir haben eine Vernetzungsgruppe mit den Menschen von diesem Abend ins Leben gerufen. Ich hab mich sehr gefreut, dass eine der Anwesenden das übernommen hat, denn ich hätte mich das in dem Moment nicht getraut, hatte aber auch dieses starke Bedürfnis nach Verbindung und dem Erhalt dieser Gemeinschaft der Anwesenden. Und so schnell landet man in einem neuen Netzwerk, in einer Community, die regelmäßige Gatherings anbietet und in der man sich wohl, gesehen und sicher fühlen kann. Heute Abend gehe ich schon zur nächsten Veranstaltung, einem Conscious Rave.
Die Menschen vom Utopiecamp
Neben all den lokalen Netzwerken, die ich mir anfange aufzubauen, hatte ich auch das Bedürfnis mit den Menschen vom Utopiecamp in Kontakt zu bleiben. Ich habe mich per Textnachricht mit einigen ausgetauscht und dann einfach in die große Runde gefragt, ob noch mehr Menschen sich gerne im Anschluss austauschen würden. So haben wir unser erstes Online-Treffen für heute ausgemacht. Ich glaube nämlich, dass ich mit meinen Gedanken und Hoffnungen, Wünschen, Träumen, Sorgen und Ängsten nicht so allein bin. Und den Menschen, mit denen ich diese intensive Zeit erleben durfte, geht es womöglich genauso wie mir.
Warum ist mir Gemeinschaft so wichtig?
Bei all den Projekten, die ich, vielleicht auch etwas überstürzt, begonnen habe, drängt sich mir auch eine Frage auf: Warum ist mir Gemeinschaft so wichtig? Irgendwie spielt Gemeinschaft für mich wirklich eine sehr zentrale Rolle und das merkt man an vielen meiner Blogbeiträge, realisiere ich gerade in diesem Moment.
Schon in der Schulzeit wollte ich mich zugehörig fühlen, doch das ist mir extrem schwer gefallen. Ich war schon immer eine Idealistin und Individualistin und bin eher alleine durchs Leben gegangen. Mit meinen Vorstellungen von meinem Leben und der Welt bin ich eher angeeckt, als das ich mich der Masse angepasst hätte. Das hat es mir extrem schwer gemacht, dazuzugehören. Eigentlich wollte ich das auch nicht wirklich, da die Menschen, zu denen ich gehört hätte, nicht die Menschen gewesen wären, bei denen ich mich wohl gefühlt hätte.
Doch auch später hielt der Wunsch nach Zugehörigkeit an. Der Wunsch, einfach irgendwo anzukommen und unter Menschen zu sein, welche mich so akzeptieren, wie ich bin und bei denen ich einfach Ich sein kann. All die Gruppen, zu denen ich zwischenzeitlich gehört habe, haben nie mein wahres Ich kennengerlernt, da ich mich schon immer zurückgehalten habe, in der Angst zu viel zu sein. Anpassung ist mir schon immer leichter gefallen, als meine eigene Richtung einzuschlagen. Ich weiß nicht, vielleicht geht es noch mehr Menschen so.
Allerdings ist eine Gemeinschaft etwas so Wunderschönes und sich zu Menschen zugehörig zu fühlen erfüllt mich mit ganz viel Wärme. Ich liebe meine Freundesgruppen und bin so froh darüber, Teil jeder einzelnen gewesen zu sein und noch zu sein. All diese Menschen haben mich aufgenommen und mit all diesen Menschen durfte ich für kurze oder lange Zeit eine Gemeinschaft bilden.
Mir ist das einfach wichtig, und ich glaube es ist auch ein Teil meiner Identität, Teil etwas von etwas Größerem zu sein. Ich verstehe mich nicht bloß als Individuum und ich schwimme auch nicht unbedingt gerne gegen den Strom. Es ist nur einfach so schwierig, Menschen zu finden, bei denen man das Gefühl hat, Teil der Gemeinschaft zu sein, genauso wie man eben ist. Wahrscheinlich reicht diese Wunde irgendwie tiefer: Akzeptiere ich mich selbst so wie ich bin? Sehe ich mich wirklich als Teil der Welt? Habe ich mich durch zu viel Anpassung zu weit von mir selbst entfernt?

Exkurs: Meine Identität
Irgendwie bin ich von den Gemeinschaften und den Netzwerken jetzt doch zurück zu mir selbst gekommen. Daher ein kleiner Exkurs in mein Inneres hier an dieser Stelle.
Die Menschen, die mich heute kennen und kennenlernen werden vermutlich niemals denken, dass ich ein Mensch bin, der sich viel anpasst. Auch meine beste Freundin hat mich schon immer als Individualistin betitelt und wollte immer so stark sein wie ich und genauso wie ich auf die Meinung anderer pfeifen. Und ja, dass stimmt auch: Die Meinung anderer Menschen ist mir in erster Linie egal und ich will mich niemals in deren Sog begeben und mein Leben im schlimmsten Fall nicht für mich selbst leben, sondern für andere. Lange Zeit hatte ich daher das Gefühl, mich von allem und jedem abkapseln zu müssen und dass ich nur allein vollkommen ich selbst sein könnte. In der Gesellschaft hatte ich immer das Gefühl, einen Teil von mir zu unterdrücken und eine Maske zu tragen. Ich habe schon von früh auf die Verhaltensregeln alltäglicher Situationen internalisiert und mich immer so verhalten, wie es andere von mir erwartet haben. Ich wollte nie schlecht auffallen und möglichst den Menschen um mich herum keine Umstände machen. Und dieses Verhalten trage ich bis heute noch in mir. Ich erwische mich immer wieder dabei, meine eigenen Bedürfnisse für die anderer zurückzustellen und mich am Ende klein zu machen. Und so habe ich vielleicht auch unbewusst gelernt, immer allein zurechtzukommen. Denn ich habe diesen Grundgedanken in mir, dass ich mich anderen nicht aufdrängen darf und möglichst mit meinen Problemen allein zurechtkommen muss. Tja, scheiße gelaufen irgendwie. Dabei weiß ich gar nicht woher das kommt, diese Gefühle und diese Gedanken. Doch ich weiß, dass ich hart gegen sie ankämpfen muss. Dem Muster zu folgen ist einfacher, als gegen es anzugehen. Es ist bekannt und vertraut.
Alleine oder zusammen?
Und da ich gar nicht immer allein sein und alleine zurechtkommen will, habe ich diesen starken Wunsch nach Verbundenheit und Gemeinschaft. Mich mit einem Menschen innig verbunden zu fühlen, ist für mich das Schönste auf der Welt. Daraus ziehe ich so wahnsinnig viel Kraft, wenn ich diese Seelenverbindungen zu anderen aufbauen kann. Und deshalb suche ich immer weiter nach Gemeinschaften in denen ich diese Verbindungen spüre und spüren kann. Am liebsten hätte ich nämlich ganz viele Seelenmenschen auf einem Haufen, sodass ich mich nie allein fühlen muss. Und bis es soweit ist, suche ich eben danach, überall wo ich kann.
Auf Instagram wurde mir gerade etwas über emotionale Intelligenz in meinen Feed gespült. In einem Reel erklärt der Creator, dass eine befreundete Psychologin ihm erklärt hätte, dass emotional intelligente Menschen sich sehr schwer damit tun würden, in Gesellschaft und Gemeinschaften anzukommen, sich in diesen frei zu fühlen. Emotional intelligente Menschen würden bei den Menschen hinter die Maske sehen und daher wäre es für sie in Gruppen sehr schwierig, sich wohl zu fühlen, da einzelne Menschen in verschiedenen Kontexten immer anders sind. Gegenüber der Familie verhält man sich anders, als mit Freund*innen, dem/der Partner*in oder allein. Und das würden emotional intelligente Menschen spüren und daher würde es Ihnen auch extrem schwerfallen, man selbst zu sein. Erst, wenn sie einen Menschen finden, der keine Maske trägt, dann können auch sie ihre Maske fallen lassen und vollkommen sie selbst sein. Mit dieser Erklärung konnte ich mich sehr stark identifizieren.

Weitere Netzwerke
Neben all den neuen Netzwerken, die ich aufbaue, habe ich auch schon einen Grundstein an Menschen, die ich kenne. Ich darf meine Familie und Freund*innen nicht vergessen, die Menschen die ich im Studium kennengelernt habe, in Vereinen und beim Tanzen. Eigentlich ist mein Netzwerk wahnsinnig groß und ich glaube ich kenne mehr Menschen, als der Durchschnitt. Allerdings erfüllt mich nicht jede Bekanntschaft auf die gleiche Art und Weise und ein engmaschiges Netzwerk habe ich derzeit auch nicht. Und das wünsche ich mir jedoch tief in mir drinnen und versuche alles dafür, das möglich zu machen.




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