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Mein Baum - Spiegel meines Inneren

  • lealandmann
  • 23. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit

Ich war heute ein zweites Mal meinen ne Baum besuchen und diese Verbindung mit der Natur und mit mir selbst löst jedes Mal unglaublich viele Gefühle in mir aus. Ich begebe mich auf eine Reise in meine Innenwelt und stelle die Fragen, die ich mich sonst nicht traue zu fragen. Wie das sein kann: Keine Ahnung, aber mein Baum macht es möglich.


Eine Robinie
Mein Baum ist eigentlich zwei Bäume

Mein Baum - mein Spiegel

Im Rahmen des Utopiecamps haben wir die Übung gemacht, uns im Wald einen eigenen Baum zu suchen. Dort im Harz ging ich lange durch den Wald, bis mich ein Baum anzog, welcher entwurzelt und von Pflanzen überwuchert dalag. Der entwurzelte Baum spiegelte in diesem Moment so sehr mein Innerstes wieder. Auch ich fühlte mich entwurzelt, allein und irgendwie nicht mehr wie ich selbst. Doch ein umgefallener Baum bietet Platz für Transformation. Er geht wieder in den Kreislauf des Lebens über und wird zu etwas Neuem. Das ganze Unkraut, was den Baum überwucherte, sah ich sinnbildlich für alles, was mir im Weg steht und was ich erst beiseite Räumen muss, um mich neu entfalten zu können.


Als wir das zweite Mal zu unserem Baum gehen sollten, fand ich den Weg nicht mehr und musste mich durch Dornen kämpfen, um wieder zu meinem Baum zu gelangen. Fast, als hätte er nicht gewollt, dass ich ihn noch einmal aufsuche. Doch mein zweiter Besuch schaffte weniger Tränen und mehr Klarheit. Und ich sah die ersten neuen Triebe, die sich aus dem emporragenden Wurzelwerk ihren Weg bahnten. Das machte mir Hoffnung, dass auch ich meinen Weg finden werde, in dieser verrückten Welt und in dieser Zeit, in der ich das Gefühl habe, stillzustehen und abzuwarten. Die ersten Fühler in eine neue Zukunft sind ausgestreckt, doch sie sind noch sehr zart und gerade erst erwacht. Ich darf mir Zeit geben, sie vollständig erblühen zu lassen.


Meine Robinie

Zurück in Kassel ging ich in der ersten Arbeitswoche an einem Tag auf dem Weg nach Hause, einen anderen Weg und da sah ich auf einmal diesen Baum vor mir, der mich wie magisch anzog. Ich rannte über die Wiese auf ihn zu und brach in Tränen aus. Dann legte ich meine Wange an den Stamm des Baums und ließ mich von ihm halten. Der Baum, hat zwei Stämme und unzählige verzweigte Äste, die in alle Himmelsrichtungen emporragen. Seine Blätter sind klein und rund und unzählige befinden sich an einem Zweig. Bei genauerem hinsehen erkannte ich Dornen, welche sich an den kleineren Zweigen befinden.

Frau vor Baum
Ein Baum kann einem Trost spenden

Dieser Baum stand im ersten Moment für mich dafür, dass ich eben nicht allein sein sollte, oder auch nicht allein bin, sondern das es einen zweiten Stamm gibt, welcher mich trägt. Ich habe mir vorgestellt, dass es ein zweiter Mensch ist, der zu mir gehört, der sich dieselben Wurzeln mit mir teilt, jedoch in eine vollkommen andere Richtung wächst und sich von mir entzweit hat. Mein Baum spendete mir Trost, da ich von ihm lernte, dass Menschen eben auch zu mir gehören und ich nicht allein bin. Die Dornen, welche ich später entdeckte, interpretierte ich so, dass ich eine harte Schale nach Außen trage und mein sensibles Inneres damit schütze, dass ich mich allerdings mehr öffnen und meine Schutzmauern auch einmal fallen lassen sollte. Denn wenn ich diese Dornen immer nach außen trage, dann kann man sich an mich nur piksen und kann nicht verstehen, wie ich wirklich bin.


Ansicht einer Person aus der Froschperspektive
Innere Ruhe kehrt in der Natur ein

Als ich heute wieder bei meinem Baum vorbeigeschaut habe, hat er mich begrüßt wie eine alte Bekannte. Ich habe mich vor ihn gesetzt und einfach gewartet. Dann habe ich ihn gefragt, was ich tun soll. Der Wind hat aufgefrischt und mir ins Gesicht geblasen und ich habe gemerkt, dass ich unheimlich angespannt bin. Ich habe mir die unzähligen Äste angeschaut und festgestellt, dass ich ein Mensch mit unheimlich vielen Facetten bin und dass ich wie mein Baum in alle Richtungen wachse und meine Fühler austrecke und Netzwerke bilde. Mein Leben ist wie das komplizierte Geflecht dieses Baumes und alles ist irgendwie miteinander verwoben und steht gleichzeitig für sich allein. Und das ist auch irgendwie schön, denn ich muss mich gar nicht immer für eine Sache entscheiden, sondern ich kann alle meine Facetten lieben lernen und sie dürfen einfach nebeneinander da sein. Ich habe meinem Baum dann noch ein wenig mein aktuelles Leid geklagt, meine Sorgen und Ängste und er hat sie aufgenommen und freigegeben. Dann war es mir schon gleich leichter ums Herz.


In Verbindung mit der Natur gehen

Eines habe ich aus der Zeit im Harz mitgenommen: Es muss nicht immer lange und viel sein, aber sich mit der Natur zu verbinden ist das Heilsamste überhaupt. Am Ende habe ich jeweils bestimmt nicht mehr als zwanzig Minuten bei meinen Bäumen verbracht, jedoch haben sie mir mehr über mich beigebracht, als es jegliche Reflexionsfrage bisher konnte. Die Natur kann einem einen Spiegel vorhalten und wenn man sich auf die Eindrücke um einen herum vollkommen einlässt, dann lernt man unheimlich viel über sich selbst. Wer mir nicht glaubt, kann es gerne einmal selbst versuchen, aber man muss sich auch darauf einlassen, denn erst wenn man sich dem prozess öffnet, erlebt man etwas ganz und gar Magisches. Für mich war die Reise mit meinen Bäumen bisher unendlich heilsam und besonders.


Und was sagt mir das jetzt über mich?

Ich glaube, ich darf mehr Vertrauen in mich selbst und meine Fähigkeiten haben. Ja, mich hat ein starker Sturm entwurzelt und ich musste mich wieder zurückkämpfen. Doch den Raum zur Transformation, den mir diese Veränderung ermöglicht, den darf ich schätzen lernen und mich darauf einlassen, wo er mich hinführt. Ich bin nicht allein und darf mich auch auf andere Menschen in meinem Leben verlassen. Dafür darf ich diese jedoch an mich heranlassen und mich nicht immer in meine Schutzhülle zurückziehen. Gehe ich offenen Herzens durch die Welt, gibt mir die Welt die Liebe zurück, welche ich aussende. Und doch darf ich wählen. Ich darf wählen, welche Pflanzen über mich drüber wachsen dürfen, welche ich vielleicht abschneiden muss, da sie mir im Weg sind und welche mich unterstützen können. Dabei, darf ich mir Zeit geben, denn nichts lässt sich so schnell von Heute auf Morgen verändern.


Am Ende haben mich meine Bäume wieder ein Stück weit mir selbst näher gebracht und dafür bin ich sehr dankbar!

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