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Bedürfnisse und wo sie zu finden sind

  • lealandmann
  • 15. Feb.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Apr.

Ich und die Anderen

Diese Woche war ich wieder einmal stark mit meinen eigenen Bedürfnissen konfrontiert und möchte deshalb teilen, wie ich mittlerweile mit meinen Bedürfnissen umgehe. Es gab eine Zeit, in der waren mir meine eigenen Bedürfnisse nicht einmal besonders bewusst, ich habe sie bewusst ignoriert, oder meine Bedürfnisse unbewusst übergangen. Ich habe gelernt, dass es am wichtigsten ist, seine eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren; auch an sich selbst. Als hochsensible Person nehme ich so viele Eindrücke aus meiner Umgebung wahr, dass ich selbst manchmal darin untergehe. Und wenn man es dann immer noch den anderen recht machen will, so wie ich, dann bleibt am Ende vom eigenen Bedürfnis nicht mehr viel übrig. Doch mittlerweile habe ich einen anderen Zugang zu mir geschaffen und nehme mich selbst ernster.


eine Kaffeetasse im Vordergrund, im Hintergrund Menschen die in einem Kaffee sitzen

Die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen

Es ist gar nicht so leicht in dieser lauten Welt den Blick nach innen zu richten und sich auf seine eigenen Bedürfnisse zu konzentrieren. Das gelingt mir ja manchmal schon nicht, wenn ich allein bin. Mir hilft es dann kurz innzuhalten und einmal wirklich in mich hinein zu spüren, mich zu fragen: Was brauche ich gerade in diesem Moment? Wenn ich Verpflichtungen eingegangen bin, die sich dann in dem Moment nicht gut für mich anfühlen, ist es auch vollkommen in Ordnung, diese abzusagen. Es ist wirklich wichtig, sich die Zeit für die eigenen Bedürfnisse zu nehmen. Ich spüre es meist an einer inneren Unruhe, wenn sich etwas für mich nicht richtig anfühlt; oder wenn meine Gedanken immer wieder um dieselbe Sache kreisen. Damit ich mich dann nicht vorschnell in etwas stürze, dass mir nicht guttut, muss ich mir kurz Zeit nehmen, zu überlegen, was mir gut tun würde.


Bedürfnisse die nicht gut tun

Manchmal ist es jedoch auch so, dass man Bedürfnisse hat, die einem nicht gut tun würden. Es gilt hier, sich durch den Dschungel an eigenen und fremden Bedürfnissen zu navigieren und zu entscheiden, was einem wirklich gut tut. Denn manchmal hat man Bedürfnisse, besonders auch wenn man psychisch krank ist, die einem nicht gut tun. Da heißt es dann aktiv dagegen zu steuern und sich auch einmal für den unbequemen Weg zu entscheiden. Allerdings ist der Grad zwischen den einzelnen Bedürfnissen oft sehr schmal und es ist gar nicht so leicht, die richtige Antwort zu finden. Trial and Error, würde ich sagen, da hier auch jeder für sich selbst den richtigen Weg finden muss.


Bedürfnissen, die einem nicht gut tun, muss man manchmal vielleicht aber auch nachgeben, um überhaupt zu merken, dass einem das gerade nicht gut tut. Es ist vollkommen in Ordnung, auch nicht zu wissen, was die eigenen Bedürfnisse sind. Jeder Weg bringt einen am Ende zu den eigenen Bedürfnissen zurück. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mir mein Leben leichter mache, wenn ich auf mich selbst höre und achtgebe.



Menschen auf einem Festival, Open Air

Die Bedürfnisse der Anderen

Auch finde ich es wichtig, sich gut von den Bedürfnissen anderer Menschen abgrenzen zu können. So individuell wie wir Menschen sind, so individuell sind auch unsere Bedürfnisse. Und was für den Einen total normal und easy ist, ist für den Anderen schwer und kaum machbar. Jeder hat seine eigenen Bedürfnisse und es ist nicht sinnvoll sich dahingehende mit anderen zu vergleichen.


Zudem finde ich es wichtig, sich nicht sein ganzes Leben lang nach den Bedürfnissen anderer zu richten. In allen Beziehungen, die man führt ist es wichtig, Kompromisse einzugehen, aber man darf sich nicht an anderen Menschen ausrichten und immer nur klein bei geben. Denn das macht einen auf Dauer unglücklich oder stürzt einen womöglich in eine Krankheit.


Die Bedürfnisse anderer zu erfüllen kann einen natürlich auch glücklich machen. Wichtig ist jedoch, auch hier eine Balance zu finden zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen der Anderen. Früher ist mir das wirklich sehr schwer gefallen. Mittlerweile habe ich einfach auch keine Lust mehr, mich immer nach anderen zu richten. Schließlich ist es mein Leben, dass ich führe und nicht das eines Anderen. Ich möchte die Dinge machen, die mir persönlich Spaß machen. Toll ist es, wenn sie dann Anderen auch Spaß machen, und man Erlebnisse teilen kann. Aber ich möchte mir nicht mehr einen Film anschauen, den ich gar nicht sehen will, weil meine Freund*innen unbedingt ins Kino gehen wollen.


Eine Radfahrerin von hinten

5 Tipps, um sich seine Bedürfnisse zu erfüllen

  1. Wenn innere Unruhe aufkommt, zieh dich kurz aus der Situation heraus, in der du dich befindest und spüre in dich hinein, um herauszufinden, was du in diesem Moment gerade wirklich brauchst.


  2. Überlege dir in Ruhe, was du brauchst, damit deine Grundbedürfnisse erfüllt sind. Wie viel Schlaf brauchst du, damit du dich ausgeruht fühlst? Was möchtest du Essen und wie viel? Welche Aktivitäten möchtest du in deinem Alltag machen?


  3. Mache eine Gegenüberstellung von Bedürfnissen und was du tun kannst, um welches Bedürfnis zu erfüllen.


  4. Nimm deine eigenen Bedürfnisse ernst und denke nicht immer nur an die Bedürfnisse anderer Menschen. Sei dir in dieser Hinsicht selbst dein bester Freund/deine beste Freundin.


  1. Lass los. Lass unbewusste Denkmuster, Idealbilder der Gesellschaft und eingerostete Verhaltensweisen los. Nur du kannst wissen, was du selbst brauchst, um dich gut zu fühlen. Menschen verändern sich und etwas, was mal deine Bedürfnisse erfüllt hat, muss es heute nicht mehr tun. Entwickle immer wieder ein neues Bewusstsein für deine eigenen Bedürfnisse.


Umgang mit den eigenen Bedürfnissen

Menschen die anstoßen

Ich habe diese Woche gemerkt, dass ich einfach nicht so leistungsfähig bin und habe mich stärker für Ruhe entschieden. In anderen Wochen strotze ich nur so vor Energie und will am liebsten jeden Abend rausgehen. Dadurch, dass ich mich nicht von äußeren Zwängen und Verabredungen leiten lasse, kann ich für mich immer wieder justieren, was ich in einem Moment brauche. Ist es Ruhe, dann nehme ich sie mir. Ist es ein Spaziergang, dann gehe ich spazieren. Ist es Nähe, rufe ich einen guten Freund an. Indem ich flexibel im Umgang mit meinen eigenen Bedürfnissen bleibe, bleibe ich flexibel für das, was ich brauche und offen für das, was mir mein Körper und Geist sagen. Ich versuche nicht vorauszuahnen, was ich brauchen könnte, oder gar meine Bedürfnisse zu strecken, da sie ja zu einem anderen Zeitpunkt des Tages noch erfüllt werden könnten. Ich tue Sachen nicht, weil ich sie machen muss, sondern weil ich sie machen will. Und manchmal trickse ich mich auch damit aus, dass ich etwas mache, bevor das Bedürfnis aufkommen kann. Das funktioniert besonders, als ich abends immer dachte, ach eigentlich könnte ich noch einmal eine Runde spazieren gehen, und jetzt gehe ich immer morgens nach dem Frühstück direkt zwanzig Minuten spazieren und so habe ich das Bedürfnisse lustigerweise abends gar nicht mehr.


Abschließende Worte

Egal an welchem Punkt man sich befindet auf seiner Reise zu den eigenen Bedürfnissen, hilft es, immer wieder innezuhalten und durchzuatmen. Man muss nicht perfekt sein und es ist wichtig auch Fehler zu machen, um die eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Ich habe mich viel zu oft für meine Fehler verurteilt, damit habe ich mich nur noch stärker darüber geärgert, nicht auf mich und meine Bedürfnisse gehört zu haben. Schöner ist es loszulassen und seinen eigenen Bedürfnisweg zu gehen, egal wie holprig dieser ist. Nicht jeder hat dieselben Bedürfnisse und es ist etwas wahnsinnig Schönes, die eigenen Bedürfnisse zu entdecken und sich mit ihnen anzufreunden. Ein Leben, ausgerichtet an den eigenen Bedürfnissen, macht für mich Vieles leichter. Ich fühle mich insgesamt mehr, wie ich Selbst.


Bearbeitet: 21.04.2026

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