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Grenzgänge

  • lealandmann
  • 7. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Apr.

Wie mir das vegan werden dabei geholfen hat Grenzen zu setzen


Schmetterlinge an Lavendelstauden

Ich bin ein Mensch, dem es sehr schwer fällt, seine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und Grenzen für mich zu ziehen. Meistens bin ich für andere Menschen da und möchte, dass es den Menschen um mich herum gut geht, ich keine negative Aufmerksamkeit errege. Daher stelle ich mich selbst oft hinten an. In den letzten Jahren habe ich allerdings gelernt, wie wichtig es ist meine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und klare Grenzen zu ziehen. Mir hat die Entscheidung, mich vegan zu ernähren, dabei geholfen, durchsetzungsfähiger zu werden und im Generellen früher Grenzen zu setzen.


Warum Veganismus?

Es gibt ja alle möglichen Gründe, warum sich Menschen für eine vegane Ernährung oder Lebensweise entscheiden. Ich habe mich für eine vegane Ernährung entschieden, da ich Pazifistin bin. Als mein Exfreund, selbst überzeugter Veganer, mal zu mir sagte "Muss man sich nicht vegan ernähren, um kompletter Pazifist zu sein?" hatte mich das zum Nachdenken angeregt und ich war zu dem Schluss gekommen, dass es stimmt, dass ich, wenn ich Gewalt ablehne, ich auch die Gewalt an Tieren ablehnen muss. Das hat mich überzeugt, mich vegan zu ernähren und ich hatte das Gefühl, dadurch einen Schritt weiter zu meinem wahren Selbst zu machen. Es war eine Möglichkeit, meinen Pazifismus auf ganz einfache Art und Weise in meinen Alltag zu integrieren.


Grenzen setzen als Veganer

eine Bowl mit Gemüse

Als Veganerin musste ich nun natürlich meinem Umfeld verklickern, dass ich keine tierischen Produkte mehr essen würde. Da ich mich davor schon eine Zeit lang pescetarisch ernährt hatte, also eine pflanzenbasierte Ernährung mit dem Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten, war der Schritt nicht allzu groß und besonders meine Eltern reagierten sehr positiv auf meine Ernährungsumstellung. Meine Oma mütterlicherseits tat sich nicht ganz so leicht, aber auch sie hat es mittlerweile akzeptiert und ich bekomme von ihr tolle vegane Alternativen, während der Rest am Tisch weiterhin tierische Produkte isst.


Dadurch, dass ich immer wieder Dinge ablehnen muss, die ich aus Überzeugung nicht esse, habe ich gelernt, klare Grenzen zu ziehen. Ich habe erst nur vegan eingekauft, irgendwann gesagt, alles was ich mit meinem eigenen Geld kaufe, muss vegan sein, bis ich wirklich bei allem darauf beharrt habe. Ich musste mich nicht sehr oft rechtfertigen, da ich auch niemandem die vegane Ernährung aufdrücken will, sondern einfach immer erkläre, warum ich mich vegan ernähre. Ich sage aber auch immer, dass Ernährung etwas so Individuelles ist, dass man niemandem vorschreiben sollte, wie er sich zu ernähren hat.


Mittlerweile haben sich meine Grenzen bezüglich der veganen Ernährung etwas aufgeweicht, aber eigentlich möchte ich sie wieder klarer definieren. Denn es gibt so viele tolle Dinge die ich ohne schlechtes Gewissen essen kann, dass ich mich nicht dazu verleiten lassen muss, etwas zu Essen, was gegen meine persönliche Überzeugung ist, nur um zu Gefallen oder unkompliziert zu sein - auch eine Grenze, die ich für mich klarer ziehen muss.


Und andere Grenzen?

Vor Kurzem ist mir dann aufgefallen, dass ich mich im Generellen leichter damit tue, Grenzen zu setzen und für meine Bedürfnisse einzustehen. Ich schaffe es viel früher und viel schneller meine Grenzen zu erkennen und dann auch zu kommunizieren. Dadurch, dass ich bei meiner veganen Ernährung keine Abstriche mache und ganz klar und bestimmt auftrete, fällt es mir auch sehr viel leichter in anderen Bereichen meines Lebens bestimmter zu sein. Sei es, wann ich schlafen gehe, ob ich Kaffee möchte, mich verabreden will oder zu welchen Zeiten ich arbeiten kann oder nicht. Ich entscheide auch viel gezielter und schneller, etwas zu machen, einfach weil es mein Bedürfnis ist und wälze nicht erst im Kopf herum, ob ich etwas machen sollte. So habe ich schon die tollsten Dinge erlebt. Trotzdem muss ich immer wieder daran arbeiten, meine Grenzen ganz klar zu ziehen und nicht einzuknicken, nur weil ich Menschen nicht verletzen möchte, oder sie mir nahe stehen, oder ich will, dass mich jemand mag. Denn ich will ja, dass die Menschen mich wegen mir mögen, und nicht, weil ich ihnen immer alles recht mache.


Eine Smoothie Bowl mit Toppings

Vegane Grenzen

Grenzen zu setzen fällt manchen Menschen sicherlich einfacher, aber ich glaube, dass viele Menschen damit kämpfen, für sich selbst einzustehen. Es kann helfen, eine Überzeugung zu haben. Denn wenn man von etwas überzeugt ist, dann lässt man sich auch nicht davon abbringen und es fällt einem viel leichter sich durchzusetzen. Sei es Veganismus, Feminismus, Pazifismus oder etwas Anderes. Wenn man stark in seinen Werten und Überzeugungen gefestigt ist, wird man glaube ich für diese einstehen. Und dadurch fällt es einem vielleicht auch sehr viel leichter, für andere Grenzen einzustehen. Ich habe diese Erfahrung machen dürfen und sie hilft meinem Wesen jeden Tag aufs Neue.


Grenzen zu setzen ist wichtig, um sich nicht selbst zu verlieren und um für sich und andere klare moralische und soziale Normen zu kommunizieren. Denn Grenzüberschreitungen sind niemals in Ordnung, auch wenn man sie für sich selbst in Kauf nimmt. Es ist unheimlich wichtig, Grenzen zu ziehen und klar zu kommunizieren, da nur so deine Mitmenschen deine Grenzen lernen können. Und manche Grenzen sind gar nicht mal so individuell, sondern wenn man diese Grenzen zieht, dann zieht man sie für eine ganze Gruppe von Menschen. Traut euch also, Grenzen zu setzen und für euch selbst da zu sein. Niemand muss etwas mit sich machen (lassen), was man nicht will.


Bearbeitet: 21.04.2026

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