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Freundschaftsbande

  • lealandmann
  • 25. Juni
  • 5 Min. Lesezeit
Hände mit Blüten und Blättern zusammengebunden

"Lass Mal, wenn wir das nächste Mal umziehen, zusammen irgendwohin ziehen", das habe ich mir nach dem letzten Telefonat mit einer meiner liebsten Freundinnen gedacht. Sie und ich, wir stecken gerade beide in einer Phase des Leben-Neu-Denkens. Ich weiß gerade nicht wohin mit mir und auch sie fragt sich schon, wie es nach dem Masterstudium für sie weitergehen soll und wohin es gehen wird. Außerdem zieht sie gerade innerhalb ihrer Stadt noch einmal in eine neue WG, da sie die Zweckgemeinschaft in ihrer jetzigen nicht mehr fühlt. Natürlich würde Sie auch gerne mit ihrem Partner die Beziehung weiter stärken und keine Fernbeziehung mehr führen, da allerdings auch unklar sein wird, wo es ihn als nächstes hinziehen wird, bleibt so vieles ungewiss. Aber warum ist das eigentlich so, dass man für seinen Partner umziehen würde, aber bei Freund*innen akzeptiert, wenn sie weiter weg wohnen udn man sich nicht so regelmäßig sieht?


Wichtiger als eine Partnerschaft

Dabei habe ich gelesen, dass unsere Freund*innen viel wichtiger sind, als unsere Partner*innen, da sie oft viel beständiger in unserem Leben bleiben und an diesem teilhaben. Freundschaften entwickeln sich oft über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte und meine Freund*innen haben schon viele Versionen von mir erlebt und sind trotzdem immer noch an meiner Seite. Vielleicht ist es aber auch das weniger starke Commitment, was dazu führt, dass Freund*innen bleiben und Partner*innen wechseln. Oder der zu hohe Anspruch, den wir an unsere Partner*innen haben, da sie all unsere Bedürfnisse erfüllen können sollen. Aber warum eigentlich? Schließlich haben wir so viele Freund*innen, dass jede und ejder ein anderes Bedürfnis erfüllen kann und das macht einen vielleicht auf Dauer auch glücklicher.


Andererseits muss ich dann auch an meine Eltern denken. Diese haben seit einigen Jahren eigentlich keine Freund*innen mehr. Sie hatten schon als ich noch jünger war nur wenige enge Freundschaften, die sie wirklich gepflegt haben, aber auch zu diesen haben sie nach und nach den Kontakt verloren. Mein Papa sagte allerdings letztens zu mir, dass er und Mama sich eben vollkommen genügen und auch gar keine große Lust auf andere Menschen haben. Die meisten Menschen fänden Sie ohnehin doof, bzw. das, was die Menschheit so den lieben langen Tag treibt. Meine Eltern seien mehr wie ein Kugelmensch und irgendwie sei auch ich Teil dieses Kugelmenschen und wir wären zu dritt ein großer Kugelmensch.


Gruppe am Dock

Freundesgruppen

Ganz oft sitze ich da und wünsche mir diese Freundesgruppen, wie man sie in Kinderbüchern häufig erlebt. Ich habe "Die wilden Hühner", "Die wilden Kerle" und "Die Vorstadtkrokodile" sicherlich schon hundertmal geschaut. Irgendetwas an diesen Filmen resoniert mit mir auf eine ganz besondere Art und Weise. Auch den Anime "Fairytail" liebe ich, aufgrund der engen Freundschaftsbande, die die Mitglieder untereinander knüpfen. Diese Menschen, die immer für dich da sind, egal wie viel scheiße du schon gebaut hast. Aber so eine ganze Gruppe, findet sich eben schwieirg, da auch nicht immer alle Menschen sich vielleicht gleichermaßen riechen und akzeptieren können. Ich hatte in meinem Leben schon zweimal das Privileg eine Art Freundesgruppe zu haben, in der man sich gegenseitig einfach auch akzeptiert und ja, vielleicht auch irgendwo geliebt hat, so wie das eben nur unter Freund*innen geht. Aber wie das eben so ist: Man wird älter, man entwickelt sich weiter und auch die Freundschaften entwickeln sich. Und ganz schnell wird aus diesen, zugegeben zunächst aus Zweckdienlichkeit entstandenen Gruppen, wieder ein Haufen Einzelkämpfer*innen. Und irgendwie scheinen ich nicht das Glück zu haben, meine Gruppen behalten zu dürfen und das man sich untereinander weiterhin genauso begegnet, wie zu Anfang der Freundschaft(en).


Freundschaftsbande

Allerdings habe ich einige Menschen, mit denen habe ich das Band was sie und mich verbindet schon so eng geknüpft, dass es auch der stärkste Sturm nicht zerreißen kann. Ja, dass Band dehnt sich manches Mal, verändert die Farbe, wird länger oder kürzer, leiert aus, oder wird wieder fester. Was auch immer das Leben mit uns macht und für uns bereithält, habe ich diese Menschen trotz allem und sie werden (hoffe ich zumindest) auch nie wieder verschwinden. Und das Spannende ist, dass es wirklich diese Menschen sind, zu denen ich das auch vor einem Jahrzehnt schon gesagt habe, dass ich hoffe, dass wir lange Freund*innen bleiben. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie ich das geschafft habe, allerdings bin ich so dankbar für diese Menschen, denn sie machen mein Leben um so viel reicher und glücklicher. All die Menschen, zu denen ich keine Bande geknüft habe, die sind auch irgendwann still und leise doch wieder aus meinem Leben verschwunden, auch die bei denen die Zeit nicht gereicht hat, das Band eng genug zu knüpfen.


Besonders gerührt bin ich von den Freund*innen, die mir immer wieder ihre Liebe zu mir zeigen. Sei es mit einem überraschenden Geschenk, einem unerwarteten Brief oder einer "Hey, wie geht es dir"-Nachricht. Die Menschen, die aktiv auch an mich denken, sind mir so wertvoll, wie die Menschen, an die ich aktiv denke. Freundschaft ist und bleibt ein Geben und Nehmen und das Band muss von beiden Seiten erneuert udn ausgebessert werden.


Frau hat andere Frau Huckepack

Leben und Freundschaft

Also warum nicht für meine Freund*innen umziehen oder mit ihnen mein Leben planen und aufbauen. Derzeit habe ich ja sowieso keine Ahnung davon, was ich im leben genau will und habe das Gefühl, meine Lebenszufriednheit allein in Partnerschaft oder Job zu suchen, bringt mich nicht weiter. Deshalb frage ich mich, ob ich nicht mit meinen Freund*innen zusammen etwas aufbauen könnte. Eine kleine Gemeinschaft, ein Miteinander; ein Leben. Allerdings sind meine Freund*innen derzeit alle über ganz Deutschland verstreut und jede und jeder versucht für sich, sich ein eigenes Leben aufzubauen. Nur fair, denn wir alle suchen doch irgendwo auch unser Glück. Aber wenn ich dann an die Freundin denke, die nach dem Master überlegt, wo sie hinwill, den Kumpel, der sich so sehr enge Freundschaften in seinem direkten Umfeld sehnt, die Freundin, die sich aus einer schweren Krise derzeit ganz allein herausarbeitet und den Kumpel, der mit seinem Doktor jetzt so richtig durchstartet, sich aber auch Bezugspersonen wünscht, dann frage ich mich, ob wir nicht als Gemeinschaft besser funktionieren würden.


Es gibt da diesen Ort in meiner neuen Stadt, an den ich jeden zweiten Freitag gehe. Dort können alle Menschen die Lust haben zum Tanzen hinkommen. Man braucht keine/n Partner/Partnerin. Alle sind willkommen und man will alle in die Gemeinschaft integrieren. Leitbild: Zusammen ist man stärker als allein. Und genau das wünsche ich mir tief im Herzen: diese Gemeisnchaft in der ich sein kann, wie ich bin und ankommen darf!


Zwei Frauen, eine mit dem Kopf im Schoß der anderen, vorm Meer

Also liebe Freund*innen, wenn ihr das hier lest und euch angesprochen fühlt, dann meldet euch bei mir. Lasst uns zusammen unsere eigene kleine Gemeinschaft aufbauen und uns unser eigenes Leben kreieren. Kann man doch Mal machen, oder?


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