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Konsumlosigkeit

  • lealandmann
  • 17. Juni
  • 5 Min. Lesezeit
Sonnenuntergang über Feld

ohne Geld leben

Am liebsten, am liebsten würde ich in dieser Welt ohne Geld zurechtkommen. Ich finde es, um ehrlich zu sein, überholt, dass ich Geld verdienen muss, um mir mein Leben ermöglichen zu können. Sollten wir in unserer Gesellschaft nicht so weit gekommen sein, dass jeder Mensch leben können sollte. Sollten wir nicht so weit gekommen sein, dass Menschen nicht mehr am Rande der Existenz zurechtkommen müssen. Wenn ich kein Geld verdienen müsste, würde ich es auch nicht tun. Allerdings habe ich das Gefühl dazu verpflichtet zu sein, dass ich Geld verdienen muss, weil ich mein Leben sonst nicht autonom für mich gestalten kann. So widme ich acht Stunden meines Tages einer nicht autonomen Tätigkeit, um mir mit dem Geld, das ich dafür bekomme, Autonomie zu kaufen. Dabei habe ich die Autonomie doch eigentlich vorher schon, auch ohne Geld.


Konsumieren

Am Ende ist das Geld nämlich nur dazu da, um möglichst viele Dinge zu konsumieren. Das Geld, welches ich für meine Versicherungen, meine Miete, Strom, Wasser und Lebensmittel ausgebe, ist eigentlich kein Geld, dass ich wirklich zur Verfügung habe. Also wäre es am Ende doch auch gut, wenn ich das einfach hätte, z.B. von meinem Arbeitgeber/meiner Arbeitgeberin. Und das Geld das mir dann noch übrig bleibt, soll mich zum Konsumieren animieren. Genauso wie die Werbung, die einen überall anspringt. Man suggeriert mir, dass ich mir Freiheit und Glück kaufen könnte, wenn ich nur genug Geld habe. Damit vergesse ich im Zuge des Geldverdienens mein eigenes Glück und die Dinge zu tun, die mich wirklich glücklich machen. Aber so ist nun einmal der Weg, den man in der Gesellschaft gehen soll (Habe in letzter Zeit zu viel Harald Welzer gelesen).


Der Konsum schränkt mich gleichzeitig wahnsinnig ein. Ich habe das Gefühl, Dinge kaufen und besitzen zu müssen, da es mir so beigebracht wurde. Dabei ist es mir viel wichtiger, die Dinge zu nutzen, die ich auch habe. Und besonders ärgere ich mich über den Dosenöffner, den ich heute gekauft habe, da ich vor einer Woche im Supermarkt Dosen gekauft habe, für die ich einen Öffner brauche, den ich vorher nicht besaß, dass aber erst zuhause gemerkt habe, als ich die Dosen schon gekauft hatte. Da hatte ich dann wieder das Gefühl ich werfe Geld zum Fenster raus, dass ich mir lieber für etwas Anderes hätte aufheben sollen.


Geld im Glas

Sparen

Auch ich spare, spare für schlechte Zeiten und sorge so dafür, dass ich mich jetzt schon schlecht fühle. Was soll eigentlich dieses Geld, dass ich für irgendwann anspare, wenn dieses Irgendwann doch nie kommt. Aber ich gebe zu, ich habe Angst. Ich habe wirklich große Angst davor kein Geld zu haben, da ich dann in unserer Gesellschaft nicht allein überleben könnte; wobei ich durch das Sicherheitsnetz in Deutschland vermutlich nicht einmal an diesen Punkt kommen würde. Warum habe ich dann so viel Angst davor und verbaue mir damit den Weg auf dem ich vielleicht einfach glücklich bin? Warum habe ich so große Angst davor, kein Geld zu besitzen? Wobei, dass stimmt so nicht ganz. Ich habe eben Angst davor, mein Leben nicht autonom, selbst, nach meinen Wünschen gestalten zu können; habe Angst in meiner Autonomie und Freiheit eingeschränkt zu sein. Und daher, gebe ich nicht besonders viel Geld aus und hebe mir jeden Cent auf, den ich aufheben kann, für den Moment, an dem ich ihn sinnvoll nutzen kann.


Es gibt bereits zu viel

Am Ende versuche ich dann wenigstens mit dem zurecht zukommen, was ich bereits besitze und wenn überhaupt, gebraucht zu kaufen. (Habe wieder mit dem Klamotten-Upcycling angefangen! Fühle mich wahnsinnig gut damit.) Denn wir haben bereits so viele Dinge auf unserem Planeten, dass wir sie gar nicht alle nutzen können. Aber es ist auch nicht mehr ausgelegt, dass man Dinge ewig benutzt. Produzieren, benutzen, wegwerfen ist absurderweise günstiger geworden, als kaufen und ewig benutzen. Das suggeriert man uns jedenfalls. Aber ist es nicht doch schlauer, in eine Gabel zu investieren, als in tausend Plastikgabeln. Und dann muss es ja auch nicht das perfekte aufeinander abgestimmte Besteckset sein. Es reicht die alte Gabel vom Flohmarkt, die zu keiner anderen in deiner Schublade passt. Die hat dann wenigstens Geschichte; zumindest, wenn sie nicht im Ikea-Regal untergebracht ist.


Als ich neulich bei einem Umzug geholfen habe musste ich mit erschrecken feststellen, wie unvorsichtig manche Menschen Möbel durch die Gegend transportieren. Da ist egal, ob Kratzer reinkommen, oder die Sachen am Ende noch wieder zusammengebaut werden können. Und manche Sachen, passen auch nicht mehr in den Stil der neuen Wohnung, oder finden keinen Platz, und werden am Ende weggeschmissen. Ich mache hier niemandem einen Vorwurf, es erschreckt mich allerdings, dass wir aufgehört haben, sorgsam mit unseren Sachen umzugehen und das zu benutzen und zur Benutzung zur Verfügung zu stellen, was wir bereits besitzen.


minimalistisches Regal

Sich dem Konsum zu entziehen, ist schwieriger als man denkt! Denn manchmal habe auch ich Lust auf einen Coffee to go, oder eine neue Hose, die dann auch wirklich passt (was gar nicht so leicht zu finden ist). Aber ich erinnere mich dann an die Meere voller Plastik, die Berge voller Müll und was einem nicht sonst noch vor Augen führen kann, dass man eben nicht immer das Neueste, Beste und Schönste braucht. Aber ich habe das Gefühl, jeden Tag gegen meinen Konsumdrang ankämpfen zu müssen. Allein auf meinem Weg zur Arbeit komme ich an drei Bäckern und zwei Kiosken vorbei. Und wenn ich dann zu lange darüber nachdenke, dann will ich mich in ein Tiny-Haus im Wald verziehen, mich selbst versorgen und der Gesellschaft den Rücken kehren.


Frau vor Bücherregal

Gesellschaftsausstieg

Ob der Ausstieg aus der Gesellschaft die Lösung ist? Vermutlich auch nicht. Und ich weiß auch nicht einmal, ob ich das überhaupt könnte. Am Ende habe ich glaube ich zu viel Schiss davor, bin doch froh über die Annehmlichkeiten der Zivilisation und der modernen Gesellschaft. Warmes, fließendes Wasser und die Möglichkeit mir Essen zu kaufen, wenn ich hungrig bin, sind schon tolle Errungenschaften. Zumindest will ich auch nicht allein sein, den Ausstieg allein wagen. Irgendwie hätte ich gerne wenigstens einen anderen Menschen an meiner Seite, der mit mir an einem Strang zieht (so jemanden eben). Und dann habe ich doch wieder diese romantische Vorstellung von einem eigenen Bauernhof irgendwo im Nirgendwo, mit riesigem Garten und vielleicht ein paar Haustieren und auf jeden Fall mit gleichgesinnten Menschen um mich herum; mit Kindern die umher springen. Ein langsames Ghibli-Leben. Wenn mir alles zu viel wird, dann träume ich mich dorthin, dort an diesen glückseligen Ort ohne Probleme und Sorgen (zumindest was Geld, Konsum oder Lebensexistenz angeht).


Vielleicht ja doch

Am Ende habe ich glaube ich einfach bloß ganz große Angst meinem Herzen zu folgen und meine Moral zu leben. Oder aber habe es in der modernen Welt auch einfach verlernt, bzw. nie beigebracht bekommen. Ich kenne nichts anderes, als die Welt in der ich lebe und wie ich in ihr lebe. Ich habe noch nicht so viele Lebensweisen ausprobiert und habe daher großen Respekt davor. Und ich habe auch einfach Angst, einen Weg allein zu gehen; will den Weg auch gar nicht allein gehen müssen. Wenn irgendjemand genauso Verrücktes mich anrufen würde und mir sagen würde "Lass uns zusammen aussteigen", ich glaube, dann würde ich Ja sagen. Ja zu einem Leben (ohne Geld, ohne Konsum, ohne diese komischen Sorgen und Ängste), welches besser zu meinen Träumen passt.

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