Ich höre dich
- lealandmann
- 18. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Apr.

Hören - zuhören - aufhören - reinhören - mithören - anhören - überhören - Hören.
Ich bin ein Mensch, der seinen Mitmenschen wahnsinnig viel zuhört. Ja, ich kann auch selbst reden und das nicht zu wenig, aber ich sehe mich eher in der Rolle der Zuhörerin. Die meisten Menschen reden glaube ich mehr, als das sie aktiv zuhören. Dabei ist Zuhören das A und O um Menschen verstehe zu können. Wie soll man einen Menschen greifen können, wenn man ihm nicht zugehört hat. Außerdem erzählt das Leben oft die schönsten Geschichten und ich mag es, diesen Geschichten zuzuhören.
Sich als Zuhörerin abgrenzen
Beim Zuhören ist es wichtig, sich nicht zu sehr in die andere Person hineinzubegeben. Als empathischer Mensch, muss ich mich innerlich oft genug stark von meinem Gegenüber distanzieren, um den Bezug zu meiner eigenen Realität nicht zu verlieren. Ich höre wirklich gerne zu, wenn mir jemand etwas erzählt, ich kann es auch gut und mache es viel. Doch dabei vergesse ich manchmal, dass ich nicht nur zuhören muss und das ich auch nicht in mein Gegenüber in solchen Momenten voll eintauchen muss. Ich darf weiterhin Ich bleiben und ich darf auch nicht alles immer direkt verstehen, was mir erzählt wird. Es muss auch nicht so sein, dass ich beim Zuhören aufhöre auf mich selbst zu hören.
Außerdem verlangt Zuhören auch sehr viel soziale Energie, die ich manches Mal gar nicht habe. Da es mir leichter fällt, zuzuhören und nichts zu sagen, gehe ich dann schnell über meine soziale Kapazität hinaus. Bis ich mich dann davon wieder erholt habe, können manches Mal Tage vergehen, je nachdem, ob ich Ruhe für mich habe, oder nicht. Ich muss mir dann auch gut zu reden und mir sagen, dass es okay ist, Fehler zu machen und das man manchmal gar nicht weiß, wann eine Grenze überschritten wurde und ich mich nicht deswegen selbst fertig machen muss.
Sinneswahrnehmung Hören

Bei vielen hochsensiblen Personen gibt es einen oder mehrere Sinne, welche besonders stark ausgeprägt sind. Man nimmt somit über diesen Sinn deutlich mehr wahr, als eine Person, welche nicht sensibilisiert ist für diese Wahrnehmung. Beim Hören, kann das manchmal ganz schön unangenehm werden, wenn man sich in einer überfüllten Bahn oder in einer lauten Disko befindet. Durch starke Höreindrücke kann ich sehr schnell über stimuliert werden und dann fällt mir das Zuhören nochmal extrem viel schwieriger. Trotzdem wird es von mir dann oft noch erwartet und ich muss mich klar durchsetzen, wenn ich merke, dass ich einem Gespräch nicht mehr folgen kann. Die meisten Menschen sind verständnisvoll und nehmen es einem nicht übel. Doch wirkliches Verstehen, für solche Situationen habe ich bisher nur unter anderen hochsensiblen Personen erlebt.
Höreindrücke können zur Belastung werden. Bin ich über lange Zeit von lauten Geräuschen umgeben, läuft mein Nervensystem auf Hochtouren. Erst nach einiger Zeit in Stille kann es wieder runterkommen und sich beruhigen. Immer wenn mein Nervensystem sich in einem aktivierten Zustand befindet, fällt es mir extrem schwer, mich zu konzentrieren und einem Gespräch zu folgen. Zuhören verlangt wahnsinnig viel Aufmerksamkeit von mir, da ich, wenn ich zuhöre, dies immer besonders aufmerksam tue. Ich kann nicht, nur mit halbem Ohr zuhören.
"Ich mag es, wenn du mir zuhörst"
Das Zuhören als Eigenschaft schätzen meine Freund*innen an mir und es ist ein großer Teil meiner Persönlichkeit. Trotzdem würde ich manchmal gerne schneller vom Zuhören ins Antworten oder Handeln kommen. Da ich aber verarbeitungstechnisch im Kopf oft länger brauche, sind die Menschen um mich herum manchmal sehr viel schneller und dann stehe ich da und höre weiter zu, da dass, was ich sagen wollte, nicht mehr zu dem passt, was gerade in der Situation gesprochen wird. Allerdings wird es auch sehr geschätzt, wenn ich eben mal nicht direkt einen Ratschlag gebe, oder mich in mein Gegenüber einmische, sondern einfach nur da bin und aktiv dem lausche, was mir jemand erzählen. Dabei ist das in Zweier-Konstellationen viel einfacher, als unter mehr Menschen.
Ich finde es unglaublich schön, dass ich Zuhörerin bin. Durch das Zuhören, glaube ich, erfahre ich viel mehr über die Menschen um mich herum, als wenn ich immer nur über mich erzählen würde. Ich weiß nicht immer, wie andere mich dabei empfinden, allerdings hoffe ich sehr, dass man merkt, dass ich wirklich aufmerksam mit dabei bin und all das Aufsauge, was mir Andere sagen.

Fazit übers (zu)hören
Zuhören ist eine wahnsinnig wunderschöne Eigenschaft. Sie wird von vielen Menschen geschätzt, kann einen allerdings auch vor einige Herausforderungen stellen. Ich plädiere dafür: Hört mehr zu! Lasst euch die Welt um euch herum nicht entgehen und hört erst einmal hin, bevor ihr handelt. Es kann einen an Orte und in Situationen bringen, die man sonst nie erlebt hätte.
Hören ist ein wunderschöner Sinn im Allgemeinen. Man kann Musik hören, Gesprächen lauschen, der Natur um einen herum, oder, oder, oder. So viele schöne Dinge nehmen wir mit unseren Ohren auf. Es ist nur wichtig, dass wir der Umgebung um uns herum, auch wirklich zuhören. Hören wir nicht hin, dann entgeht uns glaube ich ganz schnell etwas. Und manchen Menschen würde es vielleicht auch gut tun, einfach Mal wirklich hinzuhören, wenn andere Menschen sprechen.
Deshalb hoffe ich, dass ihr das nächste Mal zuhört, wenn euch jemand etwas Wichtiges erzählt. Ich würde mir wünschen, dass wir den Tieren und Pflanzen wieder mehr zuhören. Unsere Welt ist wunderschön und so viel Wunderschönes nehmen wir über unsere Ohren wahr.
Bearbeitet: 22.04.2026




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