Wünsche nach einer wertvollen Zukunft
Klimakrise, Gemeinschaftsökonomie und Wertebildung

In der letzten Woche habe ich mich viel mit verschiedenen Themen rund um meine eigenen Werte auseinandergesetzt. Und nicht nur wie diese auf mich wirken, sondern auch auf mein Umfeld und die Welt im Allgemeinen. So bin ich über Gedanken an die Klimakrise gestolpert und habe mich mit Geld und Gemeinschaftsökonomie auseinandergesetzt und einige dieser Gedanken und Gefühle möchte ich nun hier teilen.
Meine Werte für eine lebenswerte Zukunft
Wenn ich darüber nachdenke, welche Werte mir besonders wichtig sind, dann sage ich mittlerweile die, welche mit der Achtung allen Lebens einhergehen. Ganz nach der goldenen Regel "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu". Diese Maxime ist mir schon seit meiner frühen Jugend ein Anliegen, doch erst seit einigen Jahren bin ich mir der vollen Bedeutung dieser bewusst und welche Handlungsanweisungen sich daraus für mich ergeben. Daher ernähre ich mich vegan und versuche auch nach und nach meine Lebensweise komplett auf vegan umzustellen. Außerdem lehne ich Gewalt ab und versuche daher mein Leben möglichst gewaltfrei zu gestalten, was sich jedoch nicht immer als besonders leicht herausstellt.

Mit einer Freundin habe ich mich die Tage auch über das Thema Werte ausgetauscht. Sie hat mir ganz stolz erzählt, dass sie sich auch wieder überwiegend vegan ernährt und bloß einige Ausnahmen macht. Und sie konnte mich in meinem Streben sehr gut nachvollziehen. Trotzdem bekam ich das Gefühl, dass sie selbst nichts dafür tun würde, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Das will ich ihr nicht vorwerfen und doch bekam ich das Gefühl, mit meinem Wunsch nach einer lebenswerten Zukunft doch auf mich allein gestellt zu sein und das ich sie erst überzeugen müsste, sich meinen Idealen anzuschließen. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich kam aus einem Wochenende voller gleichgesinnter Menschen, mit welchen ich an Projekten für die Bildung einer Achtung allen Lebens gearbeitet hatte. Wir streben alle nach denselben Zielen und vereinen ähnliche Wünsche miteinander. Dort fühle ich mich daher so aufgehoben, gewertschätzt und sicher; als könnte ich alles auf der Welt schaffen. Und dann begebe ich mich wieder in meinen Alltag und muss doch feststellen, dass nicht alle Menschen in meinem Alter so denken. Beispielsweise konnte meine beste Freundin sich nicht vorstellen, in einer Welt ohne Geld zu leben, da sie einfach anders geprägt worden ist. Dass ihr allein diese Vorstellung schon nicht gelingt, hat mich irgendwie sehr traurig gemacht.
Welche Rolle spielt das Geld?
Am Wochenende haben wir uns viel darüber ausgetauscht, welche Werte wir teilen und welche gemeinsamen Ziele wir verfolgen wollen. Dabei spielte auch immer wieder eine Rolle, wie wir unsere Arbeit finanzieren können. Der Wunsch, 250 Millionen Euro zur Verfügung zu haben, mit welchen man Gemeinschaftsgärten, Lebenshöfe, Bildungsprojekte, einen ganzheitlichen Bildungsort und einfach auch das eigene Arbeiten finanzieren könnte, war zentraler Bestandteil der Überlegungen. Auch die Frage: Was würdest du mit 250 Millionen Euro machen? Ehrlich gesagt ist das für mich so eine große Summe Geld, dass ich diese gar nicht allein ausgeben könnte. Aber zusammen mit diesem Geld Friedensprojekte zu verwirklichen, klingt nach einem Traum. Tja, dass Geld haben wir bisher noch nicht und das stellte uns damit vor ganz andere Herausforderungen: Was macht man, wenn man sich für Friedensprojekte einsetzen möchte, dies aber nicht tun kann, da man gerade die eigene Existenzgrundlage verliert? Oder was passiert, wenn man Lohnarbeit leistet, um seine Existenz zu finanzieren, dann aber keine Zeit mehr für Friedensprojekte hat? Da sich unsere Welt nun einmal um Geld dreht und man ohne dieses nur schwer überleben kann, kommt die Frage auf, wie man trotzdem Arbeitsstunden in das stecken kann, was einem wirklich wichtig ist: unser aller Zukunft, als eine lebenswerte, friedvolle Zukunft.
Gemeinschaftsökonomie und Gerechtigkeit
Wenn wir unsere Kraft zusammennehmen würden, kämen wir vermutlich schon einen ganzen Schritt weiter. Ich kenne mich in punkto Gemeinschaftsökonomie zwar noch nicht allzu gut aus, aber ich finde das Konzept gut, dass Menschen zusammen arbeiten und jede/jeder einfach das bekommt, was er oder sie zum leben benötigt. Kein aufwiegen von geleisteten Stunden gegen Geld oder ähnliches. Man tut einfach das was man kann und kann dafür ein gutes Leben führen. Im Utopiecamp haben wir dies im Kleinen schon versucht zu leben: alle beteiligen sich an allen Aufgaben, die gemacht werden müssen (kochen, putzen, sich um die Kinder kümmern, etc.) und sind so ein Teil der Gemeinschaft. Niemand muss jede Aufgabe selbst übernehmen, sondern eine Gruppe kocht und alle essen von diesem Essen gemeinsam. Auch Carsharing ist ein solches gemeinschaftliches Konzept. Am liebsten würde ich all diese Ideen noch radikaler denken und wirklich auf das Tauschmittel Geld verzichten. Wir leisten alle wertvolle Arbeit und wir leisten alle auch unbezahlte Arbeit und diese sollte natürlich gerecht vergütet werden, aber auf die Art und Weise, dass wir alle das zum leben haben, was wir benötigen und wir nicht gleich, sondern gerecht behandelt werden.

Die Klimakrise und mein Verlust der Hoffnung
Neben dem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit und gemeinschaftlichem Handeln entlang derselben Wertebasis, war die Klimakrise zentrales Thema meiner letzten Woche. In einer Umfrage des hr ging es um den Klimawandel und wie dieser mich in meinem Alltag tangiert, sowie was eine Berichterstattung meiner Meinung nach in Bezug auf den Klimawandel leisten müsste. Zudem habe ich eine Dokumentation darüber gesehen, wie Menschen auf der Erde leben sollten bzw. könnten. Eine Freundin erzählte mir auch, dass wir das 1,5 Gradziel definitiv nicht erreicht und um ein großes Maß überschritten hätten. All diese Situationen haben mir den menschengemachten Klimawandel noch einmal unheimlich stark vor Augen geführt und mich in dem bestärkt, was ich schon dafür tue klimafreundlich zu leben und auch, wie ich andere davon überzeugen will, sich mir anzuschließen. Und daher spreche ich schon nicht mehr von Klimawandel, sondern von Klimakrise, denn es ist eine handfeste Krise, in welcher wir alle zusammen stecken. Da kann sich niemand herausnehmen und schon gar nicht in seinem Sessel zurücklehnen und darauf hoffen, dass Verantwortungsträger*innen Entscheidungen für einen treffen, die dafür sorgen, dass unsere Zukunft lebenswert bleibt. Nein, am Ende muss jede und jeder Einzelne von uns selbst Verwantwortung übernehmen.
Wenn ich diese Zeilen schreibe überkommt mich so ein Gefühl von Melancholie und der gedanke, dass all das, was ich tue, doch nicht ausreicht, da es einem Großteil der Menschen egal erscheint, was mit unserer Umwelt passiert. Dadurch verliere ich so langsam die Hoffnung in uns Menschen. Ich möchte so gerne daran festhalten, dass wir Menschen das schon irgendwie schaffen. Gestern hatte ich ein Gespärch darüber, dass wir es hier in Deutschland doch noch recht gut haben. In Europa seien wir von den Auswirkungen des Klimawandels noch nicht so stark betroffen und wenn die rechte Politik in Deutschland mehr Aufschwung erhalte und es wirklich eine Mauer geben werde, bzw. Flüchtlinge abgewiesen werden würden, dann könne man es doch erstmal recht gemütlich aussitzen. Ja und nein - Ich verstehe den Gedanken nur zu gut, aber ich möchte ihn niemals zulassen. Denn diese wunderschöne Welt in der wir leben, sollte nicht untergehen müssen.

moralische Prinzipien
All diese Gedanken führen mich dahin zurück, dass ich sehr starke moralische Prinzipien habe. In einem anderen Gespräch ging es darum, ob Menschen käuflich sind und das es für jeden Menschen irgendetwas geben würde, was ihn seine Werte über Bord werfen lassen würde. Ich wurde gefragt, ob ich für 1 Milliarde Euro wieder Fleisch essen würde. Als ich dies verneinte, wurde mir angeboten, dass alle Tiere artgerecht gehalten werden würde, wenn ich wieder Fleisch essen würde. Auch hier verneinte ich und meinte dann, dass ich auch anderen Menschen nie Gewalt zufügen würde, selbst wenn meine Liebsten bedroht wären. Wie in dem Beispiel mit dem Zug und ob man das Leben einzelner für das Leben vieler opfern würde. Ich würde niemanden opfern. Da orientiere ich mich sehr an Kant. In der Gesprächsrunde wurde mir dann gesagt, dass ich das ja nicht wissen können, weil man doch in bedrohlichen Situationen instinktiv handeln würde. Ja, ich weiß es natürlich nicht mit Sicherheit, aber trotz allem stehe ich zu meinen Prinzipien.
Eine wertvolle Zukunft
Und somit bleibt mir nur zu sagen, dass ich mir für die Zukunft wünsche, dass wir Menschen friedfertig mit uns und der Natur umgehen, dass wir die Klimakrise ernst nehmen und dass wir über Unterschiede hinwegsehen können, um wirklich ins gemeinsame Handeln zu kommen. Denn ich frage mich ernsthaft: Wie kann es sein, dass es in unserer Welt noch Hunger und Armut gibt? Wie kann es sein, dass wir das Gefühl haben, Profit machen zu müssen und einen Baum nicht als Lebensraum für Tiere sehen, sondern als Objekt, mit welchem man möglichst viel Profit erzielen können muss. Ich wünsche mir für uns, dass wir uns und unsere Träume ernst nehmen und wir nie aufgeben, für eine wertvolle Zukunft zu kämpfen!




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